Wattenrat

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Peter Südbeck - neuer Leiter des Nationalparks Niedersächsiches Wattenmeer

His Master´s Voice oder Anwalt des Naturschutzes?

Peter Südbeck

Peter Südbeck wird ab 01. Nov. 2005 neuer Nationalparkleiter des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Fürwahr, eine steile Karriere: Erst Leiter der staatlichen Vogelschutzwarte des Landes Niedersachsen, dann, nach der politischen Zerschlagung des Nieder. Landesamtes für Ökologie (NLÖ)aufgestiegen in das Direktorium des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küstenschutz und Naturschutz (NLWKN), und nun neuer Nationalparkleiter.

Wer oder was befördert solch eine Karriere? Hinter der nachstehenden Zeitungsmeldung verbirgt sich mehr als das, was dem Leser gedruckt präsentiert wird.

Wer ist klar: Umweltminister Hans-Heinrich Sander als notorischer Naturschutzverhinderer im Lande wird erkannt haben, dass sich Peter Südbeck im Landesdienst für diese Landesregierung (und die vorherige) bewährt hat.

Das Was muss erläutert werden:

Der Name Peter Südbeck wurde "in der Szene" immer wieder genannt, wenn es um die landeseigene Darstellung und Bewertung von Vogeldaten (und Verhinderung) der Ausweisung von EU-Vogelschutzgebieten ging. Peter Südbeck saß jahrelang an der Datenquelle als Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte im NLÖ, und verwaltete auch die ehrenamtlich erhobenen Vogeldaten in Niedersachsen. Und er interpretierte sie für die Landesregierung, nun aber ohne das Zutun der ehrenamtlichen Datenerheber.

Zum Beispiel der Wybelsumer Polder am Dollartwatt bei Emden, ehemals faktisches Vogelschutzgebiet, jetzt riesiges Windturbinenfeld; z.B. geplante Windkraftstandorte im Wattenmeer bei Borkum (Riffgat) und Wangerooge (Nordergründe), zunächst aus Vogelschutzgründen als ungeeignet und EU-Vogelschutzrichtlinien-inkompatibel begutachtet, dann doch nach Intervention durch den Umweltminister Sander mit Grenzkorrekturen als geeignet betrachtet (in diesem Zusammenhang hat der Wattenrat die Karrierevoraussage bereits im November 2004 in diesem Artikel vorweggenommen, dazu musste man kein Hellseher sein).

Und schließlich das faktisches Vogelschutzgebiet "Norden-Esens" am Nationalpark, das nach einer "Umweltpaketsitzung" mit der EU-Kommission am 04. Juli 2005 in Berlin nach Darstellung der (zweifelhaften) niedersächsischen Daten nun wundersamer Weise keines mehr ist. Jetzt dürfen dort, wo vorher die Kommission zuletzt noch 2003 den Außenminister Fischer in einem Mahnschreiben zur Schutzgebietsausweisung mahnte, ein Golfplatz und eine Umgehungsstraße gebaut werden (wenn die Kommision ihre neue Einschätzung nicht doch noch ändern sollte, wir arbeiten zumindest daran).

Es kommt also immer auf die richtige und für das Land hilfreiche Interpretation der avifaunistischen Daten an, in diesem Falle die des Herrn Südbeck als ehemaligem Leiter der staatlichen Vogelschutztwarte.

Es wird sich zeigen, ob er seinen neuen Posten im Range eines Biologiedirektors als "His Master´s Voice" wahrnehmen oder mit dazu beitragen wird, dass diese Karikatur eines Nationalparks wirklich mal einer wird. Noch entspricht dieses Großschutzgebiet auf Grund der vielfältigen Nutzungen nicht den internationalen Anforderungen und ist deshalb von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) nicht anerkannt.

Wir wünschen ihm auf seinem neuen Dienstposten Durchsetzungsvermögen im Sinne der Natur.

Wir zitieren aus dem Jeverschen Wochenblatt vom 19. Okt. 2005:

Peter Südbeck will Zusammenarbeit

Ab 1. November ist der 42-Jährige neuer Leiter der Nationalparkverwaltung

wilhelmshaven/hannover/sal - Die Vermittlung des Nationalpark-Gedankens und der Bedeutung des Wattenmeers für die Region steht für Peter Südbeck (Foto) an erster Stelle, wenn er am 1. November sein Amt als neuer Leiter der Verwaltung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer in Wilhelmshaven antritt (wir berichteten). Und vor diesem Hintergrund "möchte ich zuerst mit den Menschen an der Küste in Gespräche eintreten", sagte er gestern in einem Telefongespräch mit unserer Zeitung. Ihm sei daran gelegen, eine noch breitere Akzeptanz für den Nationalpark zu erreichen.

Als "spannend" bezeichnete er die Partnerschaft mit dem Tourismus, den es einzubeziehen gelte. Peter Südbeck wurde 1963 in Cloppenburg geboren. Er studierte Biologie in Kiel und ist seit 1992 im Dienst des Landes Niedersachsen. Damals begann er bei der Staatlichen Vogelschutzwarte, deren stellvertretender Leiter er im selben Jahr wurde; im Jahr 2000 übernahm er die Leitung dieser Einrichtung. Seit Anfang 2005 arbeitet er im Bereich Naturschutz der Direktion des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Hannover.

Der designierte Nationalparkleiter bezeichnet sich selber als ausgesprochen guter Kenner der Materie. Er stamme nicht nur aus einer dem Nationalpark doch recht nahen Region, er habe in den vergangenen Jahren auch immer wieder intensiv mit den Belangen des Nationaparks zu tund gehabt. "Ich freue mich auf die neue Herausforderung und möchte die Verantwortung gerne übernehmen", betonte der Biologe gestern. Das Wattenmeer sei ein einzigartiger Lebensraum von internationaler Bedeutung, der für kommende Generationen bewahrt werden müsse. "Dies kann nur mit denjenigen geschehen, die an der Küste leben und arbeiten", stellte Südbeck fest. Der neue Mann ist Nachfolger von Irmgard Remmers, die zum Ende des vergangenen Jahres aus dem Amt der Nationalparkleiterin entlassen wurde. Seit dem war die Stelle unbesetzt."

 
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